Boden und Verankerung

Fundamentarten im Hallenbau

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Für den Bau einer neuen Halle spielt der Untergrund eine entscheidende Rolle. Je nach Bauweise und Nutzungsdauer kann es daher nötig sein, ein Fundament zu errichten. Wie die Wurzeln eines Baumes hält es das Bauwerk an Ort und Stelle. Wann ein Fundament benötigt wird und welche Fundamentarten es gibt, erfahren Sie im folgenden Ratgeber-Artikel.


1. Wann wird ein Fundament benötigt?

Ob für eine Halle ein Fundament benötigt wird, hängt in erster Linie von der Standzeit der Halle ab. Soll die Halle lediglich für kurze Zeit stehen, wie es bei Leichtbauhallen häufiger der Fall ist, kann sie ohne Fundament mit Erdnägeln im Boden verankert werden. Für eine längere Standzeit wird im Normalfall ein Fundament benötigt. Das Bauamt kann jedoch individuell ebenfalls eine Aufstellung ohne Fundament genehmigen.


2. Aufgaben eines Fundaments

In erster Linie muss ein Fundament die Last des Bauwerks sowie Wind- und Schneelasten tragen. Diese Lasten werden durch das Fundament in den Untergrund weitergeleitet. Zusätzlich dient es als Gegengewicht gegen abhebende Lasten.

In manchen Fällen dient ein Fundament auch als Schutz vor Feuchtigkeit und Frost. Es verhindert, dass Wasser und Frost von unten in das Bauwerk eindringen können.


3. Fundamentarten

Im Hallenbau werden verschiedene Arten von Fundamenten eingesetzt. Welche Fundamentart verwendet wird, hängt vom geplanten Bauvorhaben und den Voraussetzungen vor Ort ab. Ausschlaggebend sind die Bodenbeschaffenheit und die aufzunehmenden Lasten. In jedem Fall besteht das Hallenfundament aus Stahlbeton, der gleichzeitig hohe Druck- und Zugkräfte aufnehmen kann.


3.1 Streifenfundament

Das Streifenfundament stellt die gängigste Fundamentart im Hallenbau dar. Es wird entlang des Grundrisses des Bauwerks bzw. entlang der Außenwände der Halle errichtet. Das Fundament kann mit einer nicht tragenden Bodenplatte kombiniert werden. Alternativ kann in der Halle ein anderer Untergrund (z. B. Pflaster) errichtet werden. Bei Fundamentierungen neben bestehenden Gebäuden spielt das bereits bestehende Fundament ebenfalls eine wichtige Rolle.

Eigenschaften eines Streifenfundaments:

  • Es ragt nicht über die Gebäudeaußenkanten hinaus.
  • Es bildet gleichzeitig die Aufstandsfläche für Fassade, Tür- und Torstiele.
  • Eine frostsichere Einbindetiefe ist gegeben.
  • Es kann einfach hergestellt werden.
  • Bei hohen Lasten sind große Fundamentbreiten notwendig.
  • Zum angrenzenden Fußboden ist eine Fuge vorhanden.
  • Es erfordert aufwändige Zusatzmaßnahmen, wenn neben Bestandsgebäuden fundamentiert wird.
  • Eine separate Bodenplatte bzw. ein separater Fußboden sind erforderlich.

Einbindetiefe:

Als Einbindetiefe bezeichnet man die Tiefe, die ein Fundament oder Bauelement in den Boden hineinreicht.


3.2 Punktfundamente

Punktfundamente kommen bei sehr hohen Lasten zum Einsatz, z. B. bei Kranhallen. Im Gegensatz zum Streifenfundament verlaufen Punktfundamente nicht entlang der kompletten Außenwand der Halle. Sie werden an den Punkten mit der höchsten Last errichtet, im Hallenbau immer dort, wo die Stützen stehen. Je nach den örtlichen Gegebenheiten werden die Fundamente mit einer Frostschürze kombiniert.

Eigenschaften von Punktfundamenten:

  • Für Fassade, Tür- und Torstiele sind ggf. zusätzliche Fundamente erforderlich.
  • Eine frostsichere Einbindetiefe ist gegeben.
  • Sie können so geplant werden, dass die Außenkanten nicht über die Gebäudeaußenkanten hinausragen. Das erfordert allerdings größere Fundamentabmessungen.
  • Bei nach außen überstehenden Fundamenten muss die Oberkante außen meist tiefer liegen als innen. Das bedeutet eine aufwändigere Fundamentherstellung.
  • Zum angrenzenden Fußboden ist eine Fuge vorhanden.
  • Eine separate Bodenplatte bzw. ein separater Fußboden sind erforderlich.
  • In der Regel aufwändiger und kostenintensiver als Streifenfundamente

Frostschürze:

Eine Frostschürze umschließt das Fundament und verhindert das Unterfrieren des Fundaments. So werden im Winter Frostschäden vermieden.


3.3 Lastabtragende Bodenplatte

Eine lastabtragende Bodenplatte ist eine durchgängig tragende Ebene. Sie deckt alle statischen Anforderungen an ein Fundament ab. Gleichzeitig fungiert es als Feuchtigkeitssperre. Die Dicke der Bodenplatte wird durch den Untergrund und die zu tragenden Lasten bestimmt.

Als lastabtragende Bodenplatte kann auch eine Energiespar-Bodenplatte mit integrierter Fußbodenheizung genutzt werden.

Eigenschaften einer lastabtragenden Bodenplatte:

  • Sie ragt nicht über die Gebäudeaußenkanten hinaus.
  • Sie bildet gleichzeitig die Aufstandsfläche für die Fassade sowie Tür- und Torstiele.
  • Sie bildet gleichzeitig den Hallenboden.
  • Sie entstehen nur geringe Bodenpressungen.
  • Eine frostsichere Einbindetiefe ist nicht gegeben. Dafür ist unter der gesamten Platte ein Bettungspolster aus Kies oder Schotter zur Frostsicherung erforderlich.
  • Bei der Herstellung von oberflächenfertigen Bodenplatten besteht eine größere Witterungsabhängigkeit.

Bodenpressungen:

Als Bodenpressung bezeichnet man den Druck, der von der Gründung (des Fundaments) eines Bauwerks auf den Untergrund ausgeübt wird.


3.4 Köcherfundament

Als Köcherfundament bezeichnet man ein Fundament aus Stahlbeton mit einer Aussparung zur Aufnahme der Hallenstütze. Das Köcherfundament wird entweder in einem Betonwerk hergestellt oder vor Ort gegossen. Fertige Elemente müssen mittels kostenintensiven Schwerlastverkehr auf die Baustelle transportiert werden. Die Hallenstützen werden in die Aussparung (Köcher) gestellt und fest mit dem Fundament vergossen. Diese Verbindung nennt man eingespannte Stützen. Das Vergießen kann ebenfalls bereits im Betonwerk oder erst auf der Baustelle erfolgen.

Im Gegensatz zu den zuvor genannten Fundamentarten kann bei der Verwendung eines Köcherfundaments unter Umständen Stahl beim Hallengerüst eingespart werden. Das ist vor allem abhängig vom Verhältnis der Hallenbreite zur Hallenhöhe. Allerdings wird dafür eine wesentlich größere Menge an Beton für das Fundament erforderlich. Im Hallenbau ist durch die Verwendung von Köcherfundamenten also bestenfalls und nur in Ausnahmefällen eine Ersparnis möglich.

Eigenschaften eines Köcherfundaments:

  • Eine frostsichere Einbindetiefe ist gegeben.
  • Für Fassade, Tür- und Torstiele sind ggf. zusätzliche Fundamente erforderlich.
  • Es ragt über die Außenkante des Gebäudes hinaus.
  • Es erfordert eine größere Einbindetiefe.
  • Es ist aufwändig und teuer in der Herstellung.
  • Eine separate Bodenplatte bzw. ein separater Fußboden sind erforderlich.

4. Alternative: Erdnagelverankerung

Als Alternative zur klassischen Fundamentierung können Hallen auch mit Erdnägeln verankert werden. Diese einfache, kostenschonende und nachhaltige Verankerung kommt beim Bau nicht dauerhafter Hallen häufig zum Einsatz. Als Untergrund kommt z. B. verdichteter Schotter (sog. Mineralbeton), Pflaster oder eine Asphaltfläche infrage. Für die Verwendung einer Erdnagelverankerung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Diese Verankerung ist sowohl für Hallen mit temporärer Aufstellung (Fliegender Bau) aber auch für dauerhafte Aufstellung geeignet. Jedoch muss die Behörde die Erdnagelverankerung bei einer längerfristigen bzw. dauerhaften Aufstellungen gutheißen!
  • Der Untergrund muss die erforderlichen Voraussetzungen an die Tragfähigkeit erfüllen.
  • Die verwendeten Erdnägel müssen in Verbindung mit dem Boden die Anforderungen an die Zugfestigkeit erfüllen.

Kann und soll auf ein Fundament verzichtet werden, dann ist die Erdnagelverankerung mit Abstand die günstigste Möglichkeit, eine Halle fest im Boden zu verankern. Zudem lassen sich die Hallen nahezu rückstandslos demontieren.

Im Gegensatz zur klassischen Fundamentierung sind Erdnägel allerdings weniger leistungsfähig. Bestimmte Lastfälle sind damit kaum oder nur unter sehr hohem Materialeinsatz darstellbar, z. B. hohe Schneelasten oder besonders große Spannweiten.

Eigenschaften einer Erdnagelverankerung:

  • Sofern eine befestigte Fläche vorhanden ist (Pflaster, Asphalt, verdichteter Schotter), ist kein Fundament erforderlich.
  • Bei unebener Aufstandsfläche wird die Hallenkonstruktion deutlich aufwändiger.
  • Bei länger stehenden Bauten muss das Bauamt zustimmen.

5. Fundamentkosten

Wie viel die Fundamentierung einer neuen Halle am Ende kostet, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Besonders viel Einfluss auf den Preis haben die Auswahl der Fundamentart und die Größe des Fundaments. Auch die örtlichen Gegebenheiten und die Erdarbeiten im Vorfeld der Fundamenterrichtung spielen dabei eine große Rolle.

Die aktuellen Rohstoffpreise können ebenso großen Schwankungen unterliegen, die sich im Preis des Fundaments widerspiegeln. Außerdem gibt es bei den Materialpreisen regionale Unterschiede – der Standort der Halle hat also ebenfalls einen großen Einfluss auf die Fundamentkosten.

Dementsprechend kann man sagen, dass die Kosten für den Fundamentbau je nach geplantem Bauvorhaben sehr individuell sind.


FAZIT

Für die meisten Hallen wird ein Fundament benötigt, um die entstehenden Lasten tragen zu können. Leichtbauhallen können eine Ausnahme darstellen. Im Hallenbau werden für gewöhnlich Streifenfundamente, Punktfundamente oder lastabtragende Bodenplatten eingesetzt, wobei in den meisten Fällen ein Streifenfundament zum Einsatz kommt. Der Preis eines Fundaments ergibt sich vor allem aus der Fundamentart, der Größe, dem verwendeten Material und den aktuellen Rohstoffpreisen. Der Bau Ihres Fundaments ist am Ende also ganz nach Ihren individuellen Voraussetzungen zu planen.